Aktuell

# 7

Union progressiver Juden:
Liberale Gemeinden wachsen

18.07.2005

Die Jahrestagung der Union progressiver Juden in Deutschland war restlos ausgebucht: 170 Teilnehmer kamen vom 14. bis 17. Juli in Berlin-Spandau zusammen, um in Workshops Erfahrungen aus der Gemeindearbeit auszutauschen, über Fragen der jüdischen Religion und Ethik zu diskutieren, die musikalische Gestaltung der Liturgie zu erlernen und gemeinsam egalitäre Gottesdienste zu feiern.

Zu den wichtigsten Themen der Tagung gehörte die Integration der russischsprachigen Zuwanderer in die jüdischen Gemeinden. Anregungen dazu lieferte bereits der Eröffnungsvortrag von Lena Gorelik. Die in St. Petersburg geborene, auf Deutsch schreibende junge jüdische Autorin fand zwar auf die Frage „Jüdische Zuwanderung nach Deutschland – eine Erfolgsstory?" keine endgültige Antwort. Sie hielt aber beiden Seiten – den Alteingesessenen wie den Zuwanderern – auf amüsante und zum Nachdenken anregende Weise einen Spiegel vor. Diejenigen, über die gesprochen wurde, waren zahlreich anwesend, denn dank einer finanziellen Unterstützung durch das Bundesministerium des Inneren konnte einer Reihe von „Kontingentflüchtlingen" die Teilnahme an der Tagung ermöglicht werden.

Auffallend bei der Tagung war die starke Präsenz Jugendlicher und junger Erwachsenen von „Jung & Jüdisch" sowie „Jung & Jüdisch Junior". Auch bei den jungen Teilnehmern der Tagung war der Anteil der Zuwanderer hoch. „Angesichts so vieler engagierter junger Frauen und Männer, die selbstbewusst das Tischgebet und die Hawdala leiten, brauchen wir uns um die Zukunft unserer Gemeinden nicht Sorgen machen", freute sich Dr. Jan Mühlstein, Vorsitzender der Union.

„Das liberale Judentum ist in seinem Ursprungsland wieder fest verankert", unterstrich Rabbiner Joel Oseran, Direktor der World Union for Progressive Judaism (WUPJ) aus Jerusalem. Für die Internationalität der Tagung sorgten als Referenten Kantorin Josée Wolff aus New York, Rabbiner Sanford Raggins aus Los Angeles, Rabbiner Robert A. Jacobs aus Maryland, Rabbiner Alexander Lyskovoy aus St. Petersburg, Rabbiner Dr. Henry G. Brandt aus Augsburg sowie Rabbiner Walter Rothschild aus Berlin. Zwei Vorträge steuerte die kürzlich gegründete progressiv-zionistische Organisation Arzenu Deutschland bei: Die Referenten waren Lior Dagan, Mitarbeiter der Botschaft des Staates Israel in Berlin, und der Züricher Rabbiner Tovia Ben-Chorin.

Arzenu Deutschland sowie Jung & Jüdisch Deutschland wurden bei der Tagung in die Union progressiver Juden aufgenommen. Neues Mitglied des religiösen Verbandes wurde auch die Gemeinde Wolfsburg/Region Braunschweig e.V., so dass der Union inzwischen 19 Gemeinden und Chawurot (Gruppen) angehören.

Für weitere drei Jahre wurden Dr. Jan Mühlstein, München, als Vorsitzender der Union sowie Katarina Seidler, Hannover, als seine Stellvertreterin in ihren Ämtern bestätigt. Neu in den siebenköpfigen Vorstand wurde Larissa Karwina aus der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld gewählt. Diese Gemeinde, die vor knapp einem Jahr der Union beigetreten ist, gehört gleichzeitig auch dem Landesverband der jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe an.

Am Rande der Unionstagung trafen sich Vertreter liberaler jüdischer Gemeinden und jüdischer Organisationen aus Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich, der Schweiz und Deutschland, um die Gründung von Arzenu Europa vorzubereiten und damit die gewachsene Bedeutung des Zionismus für die progressive jüdische Bewegung zu demonstrieren. Zu diesem Treffen kam aus Jerusalem Paula Edelstein, Vorsitzende der Progressiven jüdischen Bewegung in Israel (IMPJ) und Executive Director des Weltverbandes von Arzenu.

Für Rückfragen:

Dr. Jan Mühlstein
Vorsitzender

Hintergrundinformationen
zur  Union progressiver Juden finden Sie auf dieser Website:

http://www.liberale-juden.de