Die
Jahrestagung der Union progressiver Juden in Deutschland
war restlos ausgebucht: 170 Teilnehmer kamen vom 14. bis
17. Juli in Berlin-Spandau zusammen, um in Workshops
Erfahrungen aus der Gemeindearbeit auszutauschen, über
Fragen der jüdischen Religion und Ethik zu diskutieren,
die musikalische Gestaltung der Liturgie zu erlernen und
gemeinsam egalitäre Gottesdienste zu feiern.
Zu den
wichtigsten Themen der Tagung gehörte die Integration der
russischsprachigen Zuwanderer in die jüdischen Gemeinden.
Anregungen dazu lieferte bereits der Eröffnungsvortrag
von Lena Gorelik. Die in St. Petersburg geborene, auf
Deutsch schreibende junge jüdische Autorin fand zwar auf
die Frage „Jüdische Zuwanderung nach Deutschland –
eine Erfolgsstory?" keine endgültige Antwort. Sie
hielt aber beiden Seiten – den Alteingesessenen wie den
Zuwanderern – auf amüsante und zum Nachdenken anregende
Weise einen Spiegel vor. Diejenigen, über die gesprochen
wurde, waren zahlreich anwesend, denn dank einer
finanziellen Unterstützung durch das Bundesministerium
des Inneren konnte einer Reihe von „Kontingentflüchtlingen"
die Teilnahme an der Tagung ermöglicht werden.
Auffallend
bei der Tagung war die starke Präsenz Jugendlicher und
junger Erwachsenen von „Jung & Jüdisch" sowie
„Jung & Jüdisch Junior". Auch bei den jungen
Teilnehmern der Tagung war der Anteil der Zuwanderer hoch.
„Angesichts so vieler engagierter junger Frauen und
Männer, die selbstbewusst das Tischgebet und die Hawdala
leiten, brauchen wir uns um die Zukunft unserer Gemeinden
nicht Sorgen machen", freute sich Dr. Jan Mühlstein,
Vorsitzender der Union.
„Das
liberale Judentum ist in seinem Ursprungsland wieder fest
verankert", unterstrich Rabbiner Joel Oseran,
Direktor der World Union for Progressive Judaism (WUPJ)
aus Jerusalem. Für die Internationalität der Tagung
sorgten als Referenten Kantorin Josée Wolff aus New York,
Rabbiner Sanford Raggins aus Los Angeles, Rabbiner Robert
A. Jacobs aus Maryland, Rabbiner Alexander Lyskovoy aus
St. Petersburg, Rabbiner Dr. Henry G. Brandt aus Augsburg
sowie Rabbiner Walter Rothschild aus Berlin. Zwei
Vorträge steuerte die kürzlich gegründete
progressiv-zionistische Organisation Arzenu Deutschland
bei: Die Referenten waren Lior Dagan, Mitarbeiter der
Botschaft des Staates Israel in Berlin, und der Züricher
Rabbiner Tovia Ben-Chorin.
Arzenu
Deutschland sowie Jung & Jüdisch Deutschland wurden
bei der Tagung in die Union progressiver Juden
aufgenommen. Neues Mitglied des religiösen Verbandes
wurde auch die Gemeinde Wolfsburg/Region Braunschweig
e.V., so dass der Union inzwischen 19 Gemeinden und
Chawurot (Gruppen) angehören.
Für weitere
drei Jahre wurden Dr. Jan Mühlstein, München, als
Vorsitzender der Union sowie Katarina Seidler, Hannover,
als seine Stellvertreterin in ihren Ämtern bestätigt.
Neu in den siebenköpfigen Vorstand wurde Larissa Karwina
aus der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld gewählt.
Diese Gemeinde, die vor knapp einem Jahr der Union
beigetreten ist, gehört gleichzeitig auch dem
Landesverband der jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe
an.
Am Rande der
Unionstagung trafen sich Vertreter liberaler jüdischer
Gemeinden und jüdischer Organisationen aus
Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich, der Schweiz
und Deutschland, um die Gründung von Arzenu Europa
vorzubereiten und damit die gewachsene Bedeutung des
Zionismus für die progressive jüdische Bewegung zu
demonstrieren. Zu diesem Treffen kam aus Jerusalem Paula
Edelstein, Vorsitzende der Progressiven jüdischen
Bewegung in Israel (IMPJ) und Executive Director des
Weltverbandes von Arzenu.
Für
Rückfragen:
Dr.
Jan Mühlstein
Vorsitzender