Die Synagogengemeinde zu Halle
trauert um ihr Vorstandsmitglied für
Kultusangelegenheiten, Samuil Roitberg. Er starb am
vergangenen Montag (25. Juni 2007) im Alter von 75
Jahren. Die Trauerfeier am kommenden Dienstag (3. Juli
2007) auf dem Nordfriedhof in Halle wird Rabbiner Walter
Rothschild leiten.
Samuil Roitberg wurde am 18.
Mai 1932 in Osarentzi, einem ukrainischen Dorf
südwestlich von Kiew geboren. Seine Mutter war Hausfrau,
sein Vater war – wie schon zuvor Großvater und
Urgroßvater ein ausgebildeter und ordinierter Rabbiner,
durfte diesen Beruf in der Sowjetunion aber nicht
ausüben und verdingte sich als Arbeiter.
Samuils reguläre
Schulausbildung wurde im Sommer 1941 durch den Einmarsch
von deutschen und rumänischen Truppen jäh unterbrochen.
Erst im Frühjahr 1944 nach der Befreiung des Ghettos von
Osarentzi und Mogiljow-Podolski durch die Rote Armee
konnte er wieder die Schule besuchen und sie 1949 mit
dem Abitur abschließen. Danach ging er ans
Polytechnische Institut von Charkow und studierte
Maschinenbau. Er absolvierte seine technische Ausbildung
1954 "mit Auszeichnung" als Diplom-Ingenieur. Sein
Berufsweg verschlug ihn zunächst für ein Jahr in die
aserbaidschanische Haupt- und Hafenstadt Baku und danach
für mehr als vier Jahrzehnte als Konstruktionsingenieur
in den Nordkaukasus: in die Hafenstadt Kaspijsk am
Kaspischen Meer. Für seine Verdienste bei der
Rationalisierung der Produktionsabläufe und einige
Erfindungen wurde er 1974 von der Russischen Republik
Dagestan sogar geehrt.
Als sich abzeichnete, dass
nach dem Zusammenbuch der UdSSR auch im muslimisch
geprägten Dagestan islamistische Bewegungen mit
antijüdischen Neigungen Fuß fassen würden, entschied er
sich 1996, mit seiner Familie nach Deutschland
auszureisen. Seitdem lebte er in Halle. Durch
ehrenamtliches Engagement, Hilfsbereitschaft und den
Willen, Ungerechtigkeiten entgegenzutreten, konnte er
sich innerhalb und außerhalb der jüdischen Gemeinschaft
einen neuen Freundes- und Bekanntenkreis schaffen.
gez. Karl
Sommer, Vorstand