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Samuil Roitberg sel.A.
(1932 - 2007)

29.06.2007

# 15

Samuil Roitberg sel.A. (1932 - 200/)Die Synagogengemeinde zu Halle trauert um ihr Vorstandsmitglied für Kultusangelegenheiten, Samuil Roitberg. Er starb am vergangenen Montag (25. Juni 2007) im Alter von 75 Jahren. Die Trauerfeier am kommenden Dienstag (3. Juli 2007) auf dem Nordfriedhof in Halle wird Rabbiner Walter Rothschild leiten.

Samuil Roitberg wurde am 18. Mai 1932 in Osarentzi, einem ukrainischen Dorf südwestlich von Kiew geboren. Seine Mutter war Hausfrau, sein Vater war – wie schon zuvor Großvater und Urgroßvater ein ausgebildeter und ordinierter Rabbiner, durfte diesen Beruf in der Sowjetunion aber nicht ausüben und verdingte sich als Arbeiter. 

Samuils reguläre Schulausbildung wurde im Sommer 1941 durch den Einmarsch von deutschen und rumänischen Truppen jäh unterbrochen. Erst im Frühjahr 1944 nach der Befreiung des Ghettos von Osarentzi und Mogiljow-Podolski durch die Rote Armee konnte er wieder die Schule besuchen und sie 1949 mit dem Abitur abschließen. Danach ging er ans Polytechnische Institut von Charkow und studierte Maschinenbau. Er absolvierte seine technische Ausbildung 1954 "mit Auszeichnung" als Diplom-Ingenieur. Sein Berufsweg verschlug ihn zunächst für ein Jahr in die aserbaidschanische Haupt- und Hafenstadt Baku und danach für mehr als vier Jahrzehnte als Konstruktionsingenieur in den Nordkaukasus: in die Hafenstadt Kaspijsk am Kaspischen Meer. Für seine Verdienste bei der Rationalisierung der Produktionsabläufe und einige Erfindungen wurde er 1974 von der Russischen Republik Dagestan sogar geehrt.

Als sich abzeichnete, dass nach dem Zusammenbuch der UdSSR auch im muslimisch geprägten Dagestan islamistische Bewegungen mit antijüdischen Neigungen Fuß fassen würden, entschied er sich 1996, mit seiner Familie nach Deutschland auszureisen. Seitdem lebte er in Halle. Durch ehrenamtliches Engagement, Hilfsbereitschaft und den Willen, Ungerechtigkeiten entgegenzutreten, konnte er sich innerhalb und außerhalb der jüdischen Gemeinschaft einen neuen Freundes- und Bekanntenkreis schaffen.

Samuil Roitberg war seit 1957 mit der Ärztin Rimma Roitberg, geb. Bulygina verheiratet. Noch kurz vor seinem Tod konnte er mit ihr seine Goldene Hochzeit feiern. Ihr gemeinsamer Sohn, Dr. Evgeni Roitberg, ist Biowissenschaftler und arbeitet gegenwärtig im Bereich medizinischer Statistik an der Universität Leipzig.

Seine Kindheitserinnerungen an die schwere Zeit im Ghetto hat Samuil Roitberg in einem Beitrag veröffentlicht für das von Boris Zabarko herausgegebene Buch „Nur wir haben überlebt – Holocaust in der Ukraine“, Dittrich-Verlag Berlin 2004.

Die Synagogengemeinde zu Halle erinnert sich dankbar an sein Engagement und seinen Rat und wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Sobald ihr von der Stadt ein eigener jüdischer Friedhof zugesprochen wurde, wird sie Samuil Roitberg umbetten lassen und ihm nach jüdischer Tradition eine ewige Ruhestätte gewähren.

gez. Karl Sommer, Vorstand