|
Doppel-Notabene
Immer noch der Eiserne Vorhang ?
Und, wer hat das meiste Geld zu verschleudern ?
Von der Jüdischen Gemeinde zu Halle (Saale), Körperschaft des öffentlichen Rechts, sind kürzlich wieder
14 Mitglieder in die Synagogengemeinde zu Halle über gewechselt. Die Synagogengemeinde Halle meldete
dies der guten Ordnung halber Herrn Maxim Juchimovicz Privorotzki, dem Vorsitzenden sowohl der
Jüdischen Gemeinde Halle wie dem Landesverband der orthodoxen Juden in Sachsen-Anhalt.
Statt, wie es hierzulande üblich wäre, die Meldung zu bestätigen, erreichte die Synagogengemeinde Halle
daraufhin eine Flut von wahrscheinlich in rasender Wut verfassten Schreiben des Herrn Privorotzki. Er konfrontierte die Synagogengemeinde mit dem Verdacht, dass sie die Übertritte gefälscht hat.
Dem nicht genug, Herr Privorotzki setzte die Geflüchteten unter Telefonterror und verschonte sie nicht
mit bösen Briefen, auch und vor allem, um potentielle Gemeindeflüchtlinge zu verunsichern.
So drängt sich die Frage auf, ob der Eiserne Vorhang denn für die Jüdische Gemeinde zu Halle,
Körperschaft des öffentlichen Rechts und dem ihr weisungsuntergeordneten Landesverband der
orthodoxen Juden noch existent ist.
***
Der Wechsel von Mitgliedern aus und zu den in Halle ansässigen jüdischen Gemeinden ist fließend.
Im Hauptstrom zur Synagogengemeinde. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Vor etlichen Jahren kam ein Elternpaar zur Synagogengemeinde Halle geheult. Dessen studierender Sohn
war aufgrund eines litauischen Haftbefehls inhaftiert worden. Ihm drohte Abschiebung. Die Vorstände
der Synagogengemeinde Halle engagierten sich und halfen wesentlich dazu, dass der Haftbefehl außer
Vollzug gesetzt wurde. Monate später wurde der Student aufgrund eines litauischen Auslieferungsantrags
wieder inhaftiert und nach Litauen deportiert. Abermals wurde die Synagogengemeinde Halle um Beihilfe
angefleht. Sie setzte nahezu die ganze politische Welt in Bewegung, um den Inhaftierten frei zu bekommen.
Dabei schlug sie Warnungen wegen dieses gefährlichen Engagements aus. Nach vielen Telefonaten mit dem
Bevollmächtigten der litauischen Botschaft, letzterer war das öffentliche Spektakel unangenehm, wurde der
inhaftierte Student "begnadigt".
Die Union progressiver Juden lobte schriftlich das Engagement der Synagogengemeinde.
Die Synagogengemeinde Halle wurde von der Familie nicht mehr benötigt. Die Familie zog sich für Jahre
ins Privatleben zurück.
Im vergangenen Herbst erschien die Familie unerwartet in der Synagogengemeinde Halle. Sie bot
tatkräftige Mitarbeit bei Gemeindeaufgaben an. Die Tochter und Mutter erbaten sich Arbeitsverträge.
Sie wollten helfen, die Jugendarbeit der Synagogengemeinde voranzutreiben. Damit entstanden für die
Synagogengemeinde zuvor nicht erkannte, ständig wachsende Kosten. Bald überstiegen diese die
finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde. Heftiger Unmut breitete sich bei den anderen Aktiven aus,
die kostenlos halfen. Doch statt der Bitte sich einzuschränken nachzugeben, verließ diese Familie beleidigt
die Synagogengemeinde und bewarb sich in der Jüdischen Gemeinde zu Halle,
wo sie - als Gegenflüchtling - mit offenen Armen empfangen wurde.
Die Synagogengemeinde Halle wünscht dieser Familie alles Gute.
***
|