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In der Synagogengemeinde
zu Halle
lesen wir die Tora nach dem einjährigen Zyklus.
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6.
Siwan 5770
(19. Mai 2010)
1. Tag Schawuot
Schemot/ Exodus (2. Buch Mose)
19:1 bis 20:23
Maftir:
Numeri 28, 26-31
Megilla:
Ruth
Haftara:
Ezechiel 1:1-28 + 3:12 |
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(anlässlich Schawuot 5765 [2005])
Zehn Worte gegen das Chaos
von Rabbiner Dr.
Walter Rothschild
Im Jahre 2005 - bzw.
5765 nach jüdischer Zeitrechnung - und 60 Jahre
nach Ende des Zweiten Weltkrieges hat Schawuot,
unser Wochenfest, mehrere Bedeutungen.
An Pessach erinnerten
wir uns, dass wir einst ein Volk der
Vertriebenen, der Zwangsarbeiter und Sklaven
waren. Wir erinnerten uns auch an den Versuch
des Genozids: Laban der Aramäer wollte alle
unsere Vorfahren vernichten, während Pharao
"nur" die männlichen Kinder im Nil
ertränken wollte. Mit den Satz "Wehi Sche'amda"
erinnerten wir uns, das dies noch immer
hochaktuell ist: In jeder Generation erleben wir
an Pessach diese grausame Geschichte neu.
Einige Wochen
später aber an Schawuot werden wir bereits mit
den Regeln einer neuen Gesellschaft
konfrontiert. Und wir lernen: Ohne gute,
gerechte Regeln kann keine Gesellschaft
funktionieren. Man hat dann nur Chaos, Anarchie
und Terror. An
Schawuot feiern wir die Offenbarung vom Berge
Sinai. Im Zentrum stehen die sogenannten
"Zehn Gebote" oder genauer, die
"zehn Worte" (hebräisch: Aseret
HaDibrot).
Einige haben mit
Gott und der Gesellschaft zu tun - andere mit
individueller Verantwortung. Beides ist wichtig:
Eine Gesellschaft existiert nicht ohne Menschen,
und Menschen können nicht ohne eine
Gesellschaft leben. Im Chaos von 1945 – ein
Chaos, das nur wenige von uns persönlich erlebt
haben – wurden alle diese Regeln und Satzungen
gebrochen - häufig bewusst und willkürlich.
- Es gab Menschen
die tatsächlich einen anderen als ihren
Gott angenommen hatten.
- Sie hatten
überall von ihm Bilder und Symbole
aufgestellt und
- seinen Namen an
die Stelle Gottes gesetzt.
- Es gab Menschen,
die andere ermordeten und ermordet hatten
– auch noch in den letzten Kriegstagen.
- Es gab Menschen,
die plünderten und geplündert hatten.
- Es gab Menschen,
die vergewaltigten und vergewaltigt hatten.
Sie hatten zahllose Ehen gebrochen.
- Es gab Menschen
die keinen Unterschied mehr kannten zwischen
Frieden und Krieg, zwischen Zivilisten und
Soldaten.
- Sie machten für
ihre Sklaven nicht mal einen Unterschied
zwischen Tagen für (Zwangs-)Arbeit und
Ruhetagen. Ruhetage gab es nicht mehr.
- Diese Menschen
behaupteten, es sei Gottes Wille, dass sich
eine Menschenrasse über die Reste seiner
Schöpfung erhebt.
- Sie wollten die
Häuser, die Frauen, den Besitz ihrer
Nachbarn haben - ganze Nachbarländer,
sogar!
Und alle waren
Menschen...... wie du und ich.
Und so lernen wir,
auch aus der jüngeren Geschichte, wie wichtig
es ist, wie überlebenswichtig, dass Menschen
nach bestimmten Regeln leben mit gegenseitigem
Respekt, mit Rechten und Pflichten -
gegeneinander, sich selbst gegenüber und im
Verhältnis zu Gott.
Ich wünsche Ihnen
allen erfrischende Schawuot!
(anlässlich Schawuot 5766 [2006])
Durch die Wüste
von Rabbiner Dr.
Walter Rothschild
Die Rabbiner verstehen
Schawuot als ein Art Gegenpol zu Pessach. Nach dem Abendgebet am zweiten Tag
von Pessach zählen wir "Omer". Das ist Hebräisch für "Garben". Wörtlich
übersetzt zählen wir also Garben. Das hat auch seinen Grund. Ursprünglich
war Schawuot ein Erntefest – ein Fest der ersten Früchte ('Chag
HaBikkurim'). Wir zählen 49 Tage ab Pessach – oder sieben mal sieben Tage
danach. Mit anderen Wort: sieben Wochen, also eine "Woche" der Wochen.
Deshalb nennen wir es Wochenfest. Und doch dauert Schawuot nur einen Tag,
ganz im Unterschied zu Festen wie Pessach oder Sukkot, die tatsächlich eine
Woche dauern.
Schawuot wandelte sich in der Diaspora von einem
Erntefest zu einem Fest der Offenbarung der Tora (S'man Mattan Toratejnu).
Vergleichen wir: An Pessach erinnern wir uns an die Befreiung. Wir feiern
die Freiheit! Nur sieben Wochen später erhalten wir das Geschenk einer
Ordnung aus Pflichten, Regeln und Gesetzen. Bleiben wir beim Bild von Saat
und Ernte: Wir haben nicht selber gesät, aber wir dürfen "ernten". Unser
Ertrag ist die Offenbarung der Tora.
In vielen Gemeinden studieren
wir an Schawuot bis in die Nacht hinein Tora. Wir lernen: Ohne Gesetze ist
Freiheit nur Anarchie. Es ist eine Freiheit, der es bald an Recht,
Gerechtigkeit und Gemeinsinn fehlen wird. Aber ohne Freiheit, das lernen wir
ebenfalls, bewirken Gesetze nur Unterdrückung und Sklaverei.
Wir
brauchen folglich beides: die Freiheit ebenso wie die Verpflichtungen einer
Ordnung. Nur dann können wir als Menschen und als Volk auf eine gesunde
Entwicklung hoffen. Gott hat uns eben nicht nur aus dem Sklavenhaus befreit.
Er hat uns auch einen Weg gezeigt. Den sollen wir gehen. Wir müssen ihn
pflegen, gelegentlich auch modernisieren, aber wir müssen ihm stets folgen.
Sonst sind wir zwar der Sklaverei entronnen, verirren uns dann aber in der
Wüste und finden nicht mehr heraus.
Schawuot ist also mehr als Blintzes
und Käsekuchen essen. Es ist eine Zeit nachzudenken: Was bedeutet für uns
Tora? Lohnt es sich für Gott, uns Tora zu geben, wenn wir nicht interessiert
sind, Tora zu empfangen? Wie leben wir Tora? Wie verstehen wir die alten
Regeln? Wie passen sie zu unseren Problemen heute?
Es gibt viel zu
lernen.
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Tora-Ausgaben
in deutscher Sprache
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Böckler,
Annette (Hg.):
Die Tora
nach der Übersetzung von
Moses Mendelssohn mit den Prophetenlesungen im
Anhang
JVB, Berlin 2001, 528 S.
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Plaut,
W. Gunther (Hg.):
Die Tora in jüdischer
Auslegung
Gütersloher Verlagshaus 1999 - 2004
Bd 1:
Bereschit / Genesis,
472 S.
Bd.2:
Schemot / Exodus,
480 S.
Bd.3:
Wajikra / Levitikus,
348 S.
Bd.4:
Bemidbar / Numeri,
374 S.
Bd.5:
Dewarim /
Deuteronomium, 446 S. |
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