Wochen-
abschnitt
 

Tu biSchwat


Neujahrsfest der Bäume

In der Synagogengemeinde zu Halle lesen wir die Tora nach dem einjährigen Zyklus.


15. Schwat 5770
(30. Januar 2010)


(anlässlichTu biSchwat 5766 [2006])

Von den Bäumen lernen?
von Rabbiner Dr. Walter Rothschild

Sind Bäume wichtig? Keine Frage, sie sind es. Im Judentum auf jeden Fall. Als Juden sollen wir Bäume zwar nicht als Gottheit anbeten, so wie es heidnische Kulturen in der Vergangenheit gemacht haben. Aber wir sollen begreifen, dass Gott unterschiedliche Lebensformen geschaffen hat, die alle ihre Funktion haben. Wir dürfen Bäume nutzen. Wir können ihr Obst essen, mit dem Holz Häuser oder Möbel bauen und auch heizen. Aber wir dürfen sie nicht willkürlich zerstören, nicht einmal im Krieg.

Auf dieser Erde wurden in den letzten Jahrzehnten große geschlossene Waldflächen gerodet. Es ist unbestritten, dass der Klimawandel, von dem dem die Welt zur Zeit bedroht wird, auch darin eine Ursache hat. Das Gebot der Tora, Bäume nicht willkürlich zu fällen, hat also ganz vernünftige Gründe. Wenn wir das nicht lernen, dann leiden wir alle darunter.

Als Festtag ist Tu Bi'Schwat eigentlich nicht so wichtig - es ist der 15. Tag des Monats Schewat. Er wird nicht in der Tora erwähnt, es gibt auch keine besondere Feiertagsliturgie dafür. Ursprünglich war das der Tag an dem das Alter der Bäume bestimmt wurde, also ein "Geburts"tag. Daraus entwickelte sich im Land Israel ein Fest der Frühjahrsfrüchte. Es trennte die Früchte des alten Baumjahres von den bevorstehenden neuen. Tu Bi'Schwat ist also das Neujahrsfest der Bäume.

Das kann auch für uns Bedeutung haben. Über die Jahrhunderte haben sich einige Bräuche entwickelt. Wir können zum Beispiel neue, junge Bäume pflanzen, wir können einen 'Seder' veranstalten und dazu 15 verschiedene Früchte genießen. Wir können an die Pflanzenwelt denken und uns vergegenwärtigen, wie wichtig sie für uns ist. Dass wir den Sauerstoff der Bäume brauchen, den Schatten, ihre Früchte. Ohne Pflanzen gibt es keine Tiere - und der Mensch, ein Tier, hat das scheinbar vergessen.

An Tu Bi'Schwat nehmen wir wieder unseren richtigen Platz in der Schöpfung ein - wir sind NICHT die Herrscher über alles. Wir sind aufgefordert, Bescheidenheit und Respekt gegenüber allen Lebewesen zu entwickeln, auch gegenüber Pflanzen. Eine wichtige Lehre für den modernen Menschen!


Tora-Ausgaben in deutscher Sprache


Böckler, Annette (Hg.):
Die Tora
nach der Übersetzung von Moses Mendelssohn mit den Prophetenlesungen im Anhang
JVB, Berlin 2001, 528 S.

Plaut, W. Gunther (Hg.):
Die Tora in jüdischer Auslegung
Gütersloher Verlagshaus 1999 - 2004
Bd 1: Bereschit / Genesis, 472 S.
Bd.2: Schemot / Exodus, 480 S.
Bd.3: Wajikra / Levitikus, 348 S.
Bd.4: Bemidbar / Numeri, 374 S.
Bd.5: Dewarim / Deuteronomium, 446 S.