(anlässlichTu biSchwat 5766 [2006])
Von den Bäumen
lernen?
von Rabbiner Dr. Walter Rothschild
Sind
Bäume wichtig? Keine Frage, sie sind es. Im
Judentum auf jeden Fall. Als Juden sollen wir Bäume
zwar nicht als Gottheit anbeten, so wie es
heidnische Kulturen in der Vergangenheit gemacht
haben. Aber wir sollen begreifen, dass Gott
unterschiedliche Lebensformen geschaffen hat,
die alle ihre Funktion haben. Wir dürfen Bäume
nutzen. Wir können ihr Obst essen, mit dem Holz
Häuser oder Möbel bauen und auch heizen. Aber
wir dürfen sie nicht willkürlich zerstören,
nicht einmal im Krieg.
Auf dieser Erde wurden in den letzten
Jahrzehnten große geschlossene Waldflächen
gerodet. Es ist unbestritten, dass der
Klimawandel, von dem dem die Welt zur Zeit
bedroht wird, auch darin eine Ursache hat. Das
Gebot der Tora, Bäume nicht willkürlich zu fällen,
hat also ganz vernünftige Gründe. Wenn wir das
nicht lernen, dann leiden wir alle darunter.
Als Festtag ist Tu Bi'Schwat eigentlich nicht so
wichtig - es ist der 15. Tag des Monats Schewat.
Er wird nicht in der Tora erwähnt, es gibt auch
keine besondere Feiertagsliturgie dafür. Ursprünglich
war das der Tag an dem das Alter der Bäume
bestimmt wurde, also ein "Geburts"tag.
Daraus entwickelte sich im Land Israel ein Fest
der Frühjahrsfrüchte. Es trennte die Früchte
des alten Baumjahres von den bevorstehenden
neuen. Tu Bi'Schwat ist also das Neujahrsfest
der Bäume.
Das kann auch für uns Bedeutung haben. Über
die Jahrhunderte haben sich einige Bräuche
entwickelt. Wir können zum Beispiel neue, junge
Bäume pflanzen, wir können einen 'Seder'
veranstalten und dazu 15 verschiedene Früchte
genießen. Wir können an die Pflanzenwelt
denken und uns vergegenwärtigen, wie wichtig
sie für uns ist. Dass wir den Sauerstoff der Bäume
brauchen, den Schatten, ihre Früchte. Ohne
Pflanzen gibt es keine Tiere - und der Mensch,
ein Tier, hat das scheinbar vergessen.
An Tu Bi'Schwat nehmen wir wieder unseren
richtigen Platz in der Schöpfung ein - wir sind
NICHT die Herrscher über alles. Wir sind
aufgefordert, Bescheidenheit und Respekt gegenüber
allen Lebewesen zu entwickeln, auch gegenüber
Pflanzen. Eine wichtige Lehre für den modernen
Menschen!
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Böckler,
Annette (Hg.):
Die Tora
nach der Übersetzung von
Moses Mendelssohn mit den Prophetenlesungen im
Anhang
JVB, Berlin 2001, 528 S.
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Plaut,
W. Gunther (Hg.):
Die Tora in jüdischer
Auslegung
Gütersloher Verlagshaus 1999 - 2004
Bd 1:
Bereschit / Genesis,
472 S.
Bd.2:
Schemot / Exodus,
480 S.
Bd.3:
Wajikra /
Levitikus,
348 S.
Bd.4:
Bemidbar / Numeri,
374 S.
Bd.5:
Dewarim /
Deuteronomium, 446 S. |