Halle:
Liberale Gemeinde droht Ministerpräsidenten
Im
Streit mit dem Landesverband Jüdischer Gemeinden in
Sachsen-Anhalt um die Verteilung von Staatsgeldern hat die
liberale Synagogengemeinde in Halle jetzt
Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) um
Unterstützung ersucht. In einem Brief vom Sonntag
appelliert der Vorsitzende Karl Sommer an Böhmer, den
"Versäumnissen" in dieser Frage "jetzt ein
sofortiges Ende" zu bereiten. Andernfalls werde die
Synagogengemeinde eine Strafanzeige gegen die
Landesregierung erwägen. Im Zentrum der Kritik steht das
Kultusministerium. Bereits Anfang 2004 habe Minister
Jan-Hendrik Olbertz (parteilos) zugesagt, den
Landesverband zu veranlassen, Staatsleistungen an die
Synagogengemeinde weiterzugeben. Der Verband halte sich
jedoch nicht an diese Vorgabe, und Olbertz habe "die
Sache offensichtlich vergessen", schreibt Sommer.
Der
Zweite Senat des Oberverwaltungsgerichts Magdeburg (OVG)
hatte mit Urteil vom 11. November 2004 der Hallenser
Gemeinde einen Anspruch auf staatliche Förderung im
Rahmen der Zuschüsse an die Landesgemeinde zuerkannt und darauf
verwiesen, das sie mit der Aufnahme in die Union
progressiver Juden Anerkennung in der jüdischen
Gemeinschaft gefunden habe. Das Gericht stützte sich
dabei auf das Bundesverwaltungsgericht, das Anfang 2002
staatlichen Richtern zugestanden hatte, über die
Zugehörigkeit einer Gemeinde zu einer
Religionsgemeinschaft zu entscheiden (BVerwG 7 C 7.01).
Der
Landesverband hatte dagegen betont, dass die bloße
Existenz einer Gemeinde als Verein für die
Berücksichtigung bei den Staatszuschüssen nicht
ausreiche. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte
Ende 2004 eine Verfassungsbeschwerde angekündigt. Mit der
Prüfung der Frage, ob eine Gemeinde auch jüdisch sei,
habe das Gericht seine Kompetenzen überschritten und in
religionsrechtliche Frage eingegriffen, hatte
Zentralratspräsident Paul Spiegel betont. Der Zentralrat
wolle daher das Urteil vor dem Bundesverfassungsgericht
auf seine Rechtmäßigkeit prüfen lassen.
Dem
Magdeburger Kultusministerium zufolge erhielt der
Landesverband 2004 insgesamt gut eine Million Euro Staatsgelder.
Ihrem Vorsitzenden Karl Sommer zufolge hat die Hallenser
Gemeinde nach dem Urteil noch kein Geld vom Landesverband
erhalten. Es seien monatliche Raten von etwa
zwanzigtausend Euro fällig, sagte Sommer. Die Forderung
des Verbandes, als Voraussetzung für eine Zahlung eine
aktuelle Satzung und eine Mitgliederliste vorzulegen,
lehne er weiter ab.
Der
Landesverband ist Mitglied des Zentralrats, die 1996
gegründete liberale Gemeinde in Halle gehört der Union
progressiver Juden an. epd/ja
Quelle:
Jüdische Allgemeine Nr5/05,
03.02.2005