Jüdische
Gemeinden: Zuschüsse sollen neu verteilt werden
von
Steffen Könau
Magdeburg/Halle/MZ.
Der Staatsvertrag zwischen dem Land und den jüdischen
Gemeinden in Sachsen-Anhalt soll neu verhandelt werden.
Damit will die Landesregierung den Streit um die
Verteilung von Zuschüssen unter den jüdischen Gemeinden
beenden.
Der
Streit um die Aufteilung von Geld des Landes unter den
jüdischen Gemeinden in Sachsen-Anhalt spitzt sich zu.
Nach einem Kabinettsbeschluss soll der Staatsvertrag
zwischen Land und Landesverband der Jüdischen Gemeinden
neu verhandelt werden. Scheitern die Gespräche, sagte
Kultusstaatssekretär Winfried Willems, sei auch eine
einseitige Kündigung der Vereinbarung möglich. Der
Vertrag galt bei Abschluss 1994 als beispielhaft für ganz
Deutschland.
Bei
den Verhandlungen soll es um die Aufteilung der
Landeszuschüssen zwischen dem Landesverband und den
orthodox geprägten Gemeinden Halle, Magdeburg und Dessau
einerseits sowie der liberalen Synagogengemeinde Halle
andererseits gehen. Hintergrund ist ein Urteil des
Oberverwaltungsgerichtes Magdeburg vom vergangenen Jahr.
Nach jahrelangem Rechtsstreit hatten die Richter damals
befunden, dass die Synagogengemeinde ein Recht darauf hat,
in gleichem Maße in den Genuss der staatlichen Zuschüsse
aus dem Staatsvertrag zu kommen. Der Landesverband, in dem
die liberale Gemeinde nicht Mitglied ist, verweigert
allerdings weiterhin entsprechende Zahlungen.
"Wir
haben den Landesverband bereits im Sommer vergangenen
Jahres dringend gebeten, die Synagogengemeinde zu
beteiligen", sagt Winfried Willems, "aber
passiert ist nichts". Deshalb strebe das Land an, die
Kriterien, nach denen die jährlich rund 750000 Euro vom
Landesverband verteilt werden, klar zu formulieren.
Gleichzeitig solle geklärt werden, wie künftig eine
unabhängige Finanzkontrolle über die Gemeindefinanzen
gesichert werde. Hier hatte ein Prüfungsbericht des
Landesrechnungshofes vor zwei Jahren Verschwendung von
Mitteln in großem Maßstab aufgedeckt, zumindest die
orthodoxe Gemeinde Halle aber will die Prüfergebnisse bis
heute nicht anerkennen.
Von
anstehenden Neuverhandlungen über den Staatsvertrag weiß
Max Privorozki nichts. Es gebe keine Information darüber
und keine Einladungen. "Aber wenn es so kommt",
sagt der Chef der Gemeinde Halle, die derzeit gegen den
Landesrechnungshof prozessiert, um den Prüfbericht zu
kippen, "werden wir uns natürlich mit an den Tisch
setzen."
An
dem beansprucht auch Karl Sommer einen Platz. "Es
kann nicht sein, dass wieder über unsere Köpfe hinweg
geredet wird", fordert der Vorsitzende der
Synagogengemeinde eine Einladung ein. Winfried Willems
allerdings plant die erste Verhandlungsrunde ohne die
liberalen Juden aus Halle: "Gesprochen werden wird
mit den Gemeinden, die derzeit Staatsvertragsmittel
bekommen."
Quelle:
Mitteldeutsche Zeitung, 04.05.2005