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Die
Sommerferien stehen vor der Tür. Nach
der Weltmeisterschaft werden die Nachrichten
spärlich. Der Sommer wird
deshalb manchmal
als ein Art "Loch" angesehen.
Man redet sogar vom
"Sommerloch", auch
in jüdischen Gemeinden. Das ist eine
Periode in der
nichts passiert und wenig
organisiert wird:
"Alle sind weg".
Merkwürdig.
Sind wirklich alle weg? Und wo? Irgendwo
müssen sie doch geblieben sein?
Heißt das, sie lesen
nicht? Sie denken nicht?
Sie beten nicht?
Und das nur weil Sommer
ist? Bedeutet
das,
keiner wird krank, keiner benötigt
einen Besuch?
Keiner liegt im Krankenhaus oder im
Altersheim, keiner liegt
im Sterben? Keiner trauert? Keiner ist einsam,
keiner ist verzweifelt? Nur
wegen der Sommerferien? Nimmt
Gott auch einen Monat "Pause"?
Ist er in der Sommerfrische?
Braucht Gott keine Gebete für Juli oder August?
Früher
war es so, da arbeitete
man das
ganze Jahr hindurch.
Es gab keine ‘Ferien’, nur ab und zu mal
einen
‘Feiertag’. Und das
war ein heiliger
Tag an dem man nicht arbeiten sollte. Im Sommer
aber wurde geerntet. Jede Hand wurde gebraucht,
um auf den Feldern Hilfe
zu leisten. Das galt auch für Kinder. Deshalb
hatten sie für einige
Wochen keine Schule. Das
war also eine Schulpause
und nicht etwa eine Unterbrechung der Arbeit.
Daraus entwickelte sich in
der industrialisierten
Welt eine Zeit, die
Familien, die nicht mit Landwirtschaft zu tun
hatten - Kühe
muss man jeden Tag melken!
- für Freizeit und Urlaub
nutzen konnten: Spazieren
gehen, ausruhen, erholen,
was auch immer. In
einigen
Teilen
der Welt ist das ein
eigener Industriezweig geworden
- Massenferien. Früher mit der Bahn, heute
immer öfter mit
Flugzeug oder
Auto. Wir fahren in den
Stau, und kehren in den
Stau zurück. Und das Ziel: der Strand, die
Berge, die Bäder, irgendwohin, einfach
"raus aus der Stadt". So
machen es jedenfalls die, die es sich leisten
können.
Bis
weit in den September hinein haben wir keine
großen Feiertage. Die beginnen erst, wenn der
jüdische Monat Elul zuende ist - und dann
gleich mit den Hohen Feiertagen. Anfang August,
am 9. Tag des jüdischen Monats Aw, begehen wir
zwar Tischa B'Aw. Aber das
ist kein Feiertag als solcher, sondern eher ein
Gedenktag: Wir erinnern uns
an die
Zerstörung unseres Tempels und
der damaligen nationalen
Identität. Doch wir
sollen uns den ganzen
Monat Elul auf den Monat Tischri vorbereiten,
das neue jüdische Jahr, auf Jom Kippur, Sukkot,
Simchat Tora. Außerdem
gibt es auch in den Ferien an jedem Schabbat
einen Schabbat. Und ob es
warm ist oder kalt,
wir sollen wie üblich lernen, beten, nachdenken,
wir sollen die
Kranken besuchen und den Armen helfen. Armut und
Schmerzen verschwinden nicht
im "Sommerloch".
Also
- ob Sie auf den Balkon sitzen,
ans Mittelmeer oder nach Asien
fliegen, ob
Sie ein
paar Wochen in einem Ferienlager geniessen
oder - zum Beispiel - die
Tagung der ‘Union progressiver Juden’
besuchen, ob Sie zu Hause ausruhen oder eine
anstrengende Reise
unternehmen. Ich
kann Ihnen nur
wünschen, dass Sie
diese Sommerperiode genießen
und benutzen, und dass Sie
gesund bleiben. Eines
ist aber klar: Sie bleiben jüdisch - auch wenn
die Sonne scheint!
Schalom!
Landesrabbiner
Walter Rothschild
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