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Während
der Hohen Feiertage grüßen wir uns mit "LeSchana
Towa Tikatewu". Auf deutsch: "Mögest du
eingeschrieben sein für ein gutes Jahr!".
Dahinter steckt die Vorstellung, dass es
irgendwo "da oben" drei Listen gibt: eine für
die sehr Guten, eine für die richtig Bösen, und
eine für uns - die Mehrheit, die dazwischen
liegt.
Das
ist natürlich nur eine Metapher; doch wir haben
alle schon erfahren, was es bedeutet, auf einer
Liste zu stehen. Diese Metapher weckt also viele
Assoziationen. Das darf man nicht unterschätzen.
Vor
kurzen war ich im Jüdischen Museum in Wien. Dort
wird bis zum 21. Oktober eine eindrucksvolle
Ausstellung gezeigt. Ihr Titel: "Ordnung Muss
Sein". Vor ein paar Jahren hat man durch Zufall
in einer alten Wohnung das gesamte
Gemeindearchiv aus den Kriegsjahren gefunden.
Darunter Karteien, Mitgliederlisten - und die
Listen für die Transporte gen Osten - nach
Litzmannstadt/Lodz, nach Izbica, nach Riga, nach
Theresienstadt und noch einigen Orten mehr. Und
dort liegen sie nun, diese alte Akten - hinter
Glas, ein wenig blass, staubig, jede einzelne
sorgfältig getippt. In jeder Mappe liegt die
Liste derer, die nie zurückkamen.
Oder
denken wir an "Schindler’s Liste", eine Liste
von Geretteten, oder an die Listen, die in
Theresienstadt gefertigt worden waren. Jede
Woche eine neue für den nächsten Transport.....
Vielleicht klingt das ein bisschen
melodramatisch, aber das ist es nicht.
Tatsächlich kennt niemand von uns das eigene
Schicksal, die eigene Zukunft. Keiner von uns
weiß, was das kommende Jahr bringen wird. Das
beste, was wir dafür tun können, ist, dass wir
einander ein gutes Jahr wünschen - natürlich
verbunden mit Gebet, mit Reue, mit Umkehr (Teschuwa),
mit guten Taten. Und an Jom Kippur, dann, wenn -
theoretisch - alle diese imaginären Listen
bereits fertig gestellt sind, wünschen wir uns "Chatima
Towa": unser Eintrag für ein gutes
Jahr soll jetzt besiegelt und bestätigt werden.
Chatima Towa!
Rabbiner Walter Rotschild |
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