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'Wochen' sind es
– hebräisch: Schawuot – nach Pessach, und zwar
genau sieben: „Sieben Wochen sollst Du zählen“
heißt es im Buch Dewarim (Deuteronomium) ,
und „Bis zum Tag nach dem siebenten Schabbat
sollt ihr zählen, fünfzig Tage“, heißt an einer
anderen Stelle der Tora.
Ursprünglich ein Dankfest zur Weizenernte hat
die rabbinische Tradition Schawuot neu gedeutet.
„S’Man Matan Toratenu“: Es ist die Zeit
zu der uns die Tora gegeben wurde, nämlich als
Moses sie auf dem Berg Sinai empfangen hatte.
Die Tora selber
kennt kein solches Datum - ganz im Gegenteil:
Zweimal musste Mose auf den Gipfel des Sinai
steigen, um diesem rätselhaften Gott zu
begegnen. Als er beim ersten Mal zurückkehrte,
bekam er einen Wutanfall und zerschmetterte die
Tafeln, die er empfangen hatte. Das Volk hatte
sich während seiner Abwesenheit ein goldenes
Kalb zur Verehrung geschaffen.
Deshalb musste er noch einmal hoch auf den
Gipfel aber auch wieder hinunter zu den
Niederungen seines Volkes. Was genau die
Rabbinen veranlasste, am 6. Siwan (in diesem
Jahr 2008 ist das der 9. Juni) den Empfang der
Tora zu feiern, ist nicht ganz sicher. Warum
auch immer, das Buch Schemot (Exodus)
beschreibt wie die Israeliten aus Ägypten
flüchteten, in die Wüste kamen und schließlich
diesen Berg erreichten.
Das dort etwas
passierte, das bezeugt die Tora. Was genau,
bleibt wieder im Nebel. Soviel aber ist klar:
von diesen Zeitpunkt an hatten die Israeliten
Gesetze: Sie verfügten über ganz praktische
Regeln und Vorschriften für ihr Zusammenleben,
und eine Struktur. Sie wussten nun für ihre Zeit
präzise was Recht und Unrecht, was gut und böse,
was legitim und illegitim, was erlaubt und
verboten ist. Dass sie – wie alle Menschen –
auch vorher schon eine Ahnung davon hatten,
davon erzählt Bereschit (Genesis) 3 am
Beispiel von Adam und Chawa (Eva). Die hatten
vom Baum der Erkenntnis gegessen: „Nun gingen
ihrer beiden Augen auf und sie merkten, dass sie
nackt waren. Sie flochten Feigenblätter zusammen
und machten sich Schurze.“
Sie hatten also gelernt, zu unterscheiden. Ihre
zweite Lektion war, dass die Entscheidung für
das Verbotene Konsequenzen hat: Fortan war im
Gan Eden (Garten Eden, dem Paradies) kein Platz
mehr für sie.
Nun hat auch die
Tora die Israeliten nicht einfach zu
unschuldigen und gehorsamen Erdenbürgern gemacht
– aber niemand von ihnen konnte seitdem sagen
"Das wussten wir nicht". Sie konnten nie mehr
behaupten, "Das ist nicht wichtig, es gibt kein
Gesetz darüber". Von nun an waren die Israeliten
ein Volk, nicht definiert durch ihren ethnischen
Ursprung, sondern durch ihr Rechtssystem.
Theoretisch konnte jeder der wollte zu diesem
Volk hinzustoßen – er brauchte sich nur zu
verpflichten, nach den Regeln der Tora zu leben.
Die Gelehrten - die Rabbiner – übernahmen später
die Aufgabe, mit diesen Gesetzen zu arbeiten –
sie für neue Umstände auszulegen, sie genauer zu
definieren und – wenn nötig – ab und zu sogar zu
modifizieren. Wichtig ist, es gab eine Ordnung
für das Zusammenleben in dieser Gesellschaft.
Das klingt nicht
originell. Es scheint selbstverständlich, dass
Völker Gesetze haben. Aber so einfach ist es
nicht. Bis heute herrscht in einigen Ländern der
Welt Gesetzlosigkeit, griechisch "Anarchie".
Jede und jeder dort ist denen die stärker sind
als sie einfach ausgeliefert. Die Menschen sind
rechtlos. In anderen Gegenden herrscht ein
übermächtiges Regime aus Tyrannen oder
dominanten Organisationen: Milizen, Armeen,
Autokraten. Ihre Gesetze sind willkürlich und
brutal. Maßstab sind allein die Interessen der
Machthaber. Sie entscheiden was Gesetz ist.
Universale Rechtsnormen – Menschenrechte zum
Beispiel – ignorieren sie. Arme, Schwache,
Andersdenkende und unabhängige Köpfe sind wie
Sklaven einem ungewissen Schicksal ausgeliefert.
Man ist nur frei
und sicher, wenn für alle gleiches Gesetz gilt,
wenn es ein Rechtssystem gibt, das den Menschen
ermöglicht, ihre Pflichten und Rechte zu kennen,
das transparent macht, was erlaubt ist und was
nicht, wo Spielraum und Flexibilität bestehen,
und wo nicht. In einem solchen System ist jeder
für seine Taten verantwortlich. Nur der, der in
einer Gesellschaft gelebt hat, die keine Regeln
kannte oder Unrecht zu Recht erklärte, kann das
wirklich verstehen. Wir aber können es wissen.
Nicht zuletzt deshalb feiern wir Schawuot –
sieben Wochen nach der Erinnerung von Pessach:
Wir sind aus dem Sklavenhaus ausgezogen!
Baruch Atah
Adonai, Noteyn haTorah.
Gelobt seiest Du, Gott, Du gibst uns die Tora!
Landesrabbiner Dr.Walter Rothschild.
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